Posaunenchor

Am Anfang stand ein großes Fest: Im Jahre 1879 hatte Pastor Karl Johann Baustaedt die Gerdauer Pfarre, zu der auch Böddenstedt gehört, übernommen. Er kam aus Hermannsburg, wo er das Missionsfest kennengelernt hatte. Das sollte nun auch in Gerdau gefeiert werden – und erwies sich als Besuchermagnet.
Es kamen so viele Gäste, dass die Kirche sie nicht fassen konnte. Deshalb verlegte man die Nachmittags-Feier kurzerhand unter die Eichen auf Beiken-Hilmers Hof. Nun fehlte nur noch eines: die Begleitung zum Gemeindegesang.
Und wieder wies eine Hermannsburger Tradition der Gerdauer Gemeinde den Weg – ein Posaunenchor sollte gegründet werden, wie er schon seit 1850 in Hermannsburg existierte.
Mit seiner Idee musste Pastor Baustaedt nicht lange werben. Schon am 28. November 1880 fand die Gründungsversammlung statt – der „Posaunenchor Böddenstedt – Barnsen“ war aus der Taufe gehoben. Erster Leiter war der Lehrer Heinrich Heuer. Finanzielle Engpässe bei der Beschaffung der Instrumente konnte der wackere Pastor dank vieler Spenden überwinden.
877 Mark kosteten die ersten 25 Instrumente. Nun konnte es mit den Proben losgehen.

Es tat sich allerdings ein gravierendes Problem auf: Niemand konnte blasen. Retter in der Not wurde der alte Johann Sorge, der auch zum Tanz aufspielte. Er hängte von nun an die weltliche Musik an den berühmten Nagel, wurde eifriges Mitglied im Chor und brachte den Bläsern das Blasen bei. Dafür bekam er eine Trompete geschenkt, die noch bis 1952 ihren Dienst tat. Im Jahre 1903 übernahm Hermann Oestmann die Chorleitung.
Auch Familie Drögemüller war dem Chor von Beginn an eng verbunden: Im Jahre 1951 wurde Hermann Drögemüller Leiter des Posaunenchores. Er hatte sich bereits zuvor um die Ausbildung der Jungbläser gekümmert. 1958 übergab er die Chorleitung an seinen Neffen Otto Drögemüller, der den Chor eigentlich nur übergangsweise leiten sollte. Aus der Übergangszeit wurden 47 Jahre! Heute ist Heinrich Drögemüller jun. Leiter des Posaunenchores.
Im Laufe der Zeit hat sich der Chor immer wieder verändert. „Aufnahmefähig sind ehrenhafte Männer und Jünglinge“, heißt es etwa in der Satzung von 1887. Mädchen und Frauen durften früher nicht ausgebildet werden! Heute sind etwa ein Drittel der Mitglieder Frauen. Das musikalische Repertoire der 45 Bläser reicht heute von barocker und klassischer Musik bis hin zu Rock, Pop und Swing. Die Chormitglieder freuen sich besonders, so viele Jugendliche in ihren Reihen zu haben.

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