Sonntag, 6. November 2016

Feuer und Wasser als musikalisches Finale

Reformationskonzert in Gerdau läutet 500-Jahr-Feier ein
An welcher Stelle haben die Musiker des Böddenstedter Posaunenchores einen Satz aus Händels Wassermusik ins Feuerwerk eingeschleust? Ein musikalisches Rätsel gab Moderator Carsten Chors seinen Zuhörern in der voll besetzten Gerdauer St. Michaelis Kirche am Abend des Reformationskonzertes mit auf den Nachhauseweg. Denn ein Satz der großen Komposition des barocken Meisters fehlte im „Schatzkästlein“ der Posaunisten – doch diese wussten sich zu helfen und fügten Feuer und Wasser zum fulminanten Finale eines wunderbaren Konzertabends zusammen.

Wieder einmal bescherte der Posaunenchor Böddenstedt unter der Leitung von Heinrich Drögemüller seinen Gästen einen anspruchsvollen musikalischen Reigen durch die Jahrhunderte. Mit dabei war diesmal Jan Kukureit an der Orgel, ein „alter“ Bekannter, denn auch er hat seine ersten musikalischen Schritte im Böddenstedter Posaunenchor getan. Jan Kukureit begleitete nicht nur die Lieder der Gemeinde, sondern hatte mit Franz Xaver Schnizers fröhlicher Sonate B-Dur ein Stück mitgebracht, das fidele Jahremarktklänge mit ernsthafter Eindringlichkeit verknüpft und mit wunderbarer Schlichtheit bezaubert. Mit dem zarten Präludium G-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy fing er seine Zuhörer dann endgültig ein.
Auch Chorleiter Heinrich Drögemüller hatte seine Musiker in der Vorbereitung dieses Abends zu Höchstleistungen geführt, schließlich läutete das Gerdauer Konzert das Reformationsjubiläum 2017 im Landkreis Uelzen ein. "Wir freuen uns, die 500-Jahr-Feier zur Reformation in Gerdau starten zu können", so Carsten Cohrs, der durch das vielseitige Programm führte. „Martin Luther war nicht nur Bibelübersetzer und Reformator, sondern auch großer Texter und ein richtiger Marketingprofi. Er nahm Volkslieder, Gassenhauer und Liebeslieder und schrieb seine Texte unter diese Lieder. So verbreiteten sie sich, obwohl viele Menschen nicht lesen und schreiben konnten“, erläuterte er. Eines dieser Lieder ist "Vater unser im Himmelreich“, das die Gemeinde gemeinsam sang.
Mit Engelbert Humperdincks Abendgebet und mit dem Pilgerchor aus Wagners Tannhäuser folgten zwei musikalische Höhepunkte, die in die Moderne überleiteten: Ein sechsstimmiges Musikstück, das Michael Schütz aus zwei Liedern geformt hat. „Die Stimmen werden wie ein Staffelstab weitergegeben und zum Schluss hat Schütz die beiden Lieder hineinkomponiert“, regte Carsten Chors zum Achtgeben an.
Dann kamen die Anfängerbläser an die Reihe. Dominik, Jessica und ihre Eltern führten vor, was sie dem störrischen Blech nach 52 Stunden Unterricht entlocken können. „Schuld“ am Zuwachs des Bläserteams ist Christian Drögemüller, der seinen Schulfreund Dominik so für die Musik begeisterte, dass dieser gleich seine ganze Familie in den Unterricht mitnahm.
Romantisch und jazzig kamen anschließend „Gabriellas song“ und Johannes Matthias Michels „Intrade“ daher. Zwischen die beiden modernen Stücke passte Scott Joplins flotter „Entertainer“, der einen der schönsten Momente des Abends bescherte. Ein Lob an den Trompeter!


Pastorin Ann-Kathrin Averbeck sprach über Luthers Gedanken über den Christenmenschen, der ebenso ein freier Herr über alle Dinge wie ein dienstbarer Knecht ist, und zitierte dazu die Apostelgeschichte des Paulus sowie das Johannesevangelium.


Geehrt wurden Jürgen Niemann und Henning Stolte für ihre 40jährige Mitgliedschaft im Posaunenchor sowie der Ehrenvorsitzende Heinrich Drögemüller. Er ist seit 76 Jahren Bläser! Heinrich Drögemüller leitete den Posaunenchor viele Jahre, bevor er den Staffelstab an seinen Sohn Heinrich jun. weitergab.

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