Dienstag, 8. September 2015

Im Schatten der Schirmkiefer


Kleine Föhren erleben Geschichte mit vielen Pausen



Standfest und in sattem Grün wachsen seit vielen Jahren mehrstämmige Kiefern im Suderburger Land. Kleine Bäume mit schirmartigen Kronen, die schon sehr viel Geschichte erlebt haben. Im Schatten der Bäume wurden früher Speisen und Getränke kühl gelagert, während fleißige Hände die schweißtreibende Feldarbeit verrichtet haben. Nach schwerer Arbeit wurden im Schatten der Bäume Pausen abgehalten. Wegen ihrer besonderen Bedeutung für das Landvolk stehen diese Pausenbäume noch bis heute in der Kulturlandschaft. Viele freistehende Bäume sind aus dem Landschaftsbild verschwunden, weil sie einer industriellen Landwirtschaft im Wege stehen.
An den borkigen Kiefernstämmen sind kleine dreieckige Schilder mit der Aufschrift „Naturdenkmal“ befestigt. Bereits 1965 wurden die Kiefern auf ein Alter von 150 Jahren geschätzt und unter Schutz gestellt. Bei den Bäumen handelt es sich um autochthone, d.h. am Fundort vorkommende heimische Kiefern, die nach der Eiszeit das norddeutsche Tiefland besiedelten.
Zurzeit prägen forstgerechte, selektierte Kiefern das Landschaftsbild in der Lüneburger Heide. Die kleinen Kiefern sind auf Grund ihres eigenartigen Wuchses und des hohen Alters daher etwas Besonderes in der Heideregion.
Die Kiefer kann ein sehr hohes Alter erreichen und besiedelt extreme Habitate auf sandigen und felsigen Standorten.
Durch die Unterstützung regionaler Gärtnereien werden die geschichtsträchtigen Bäume vermehrt, und sollen in der Zukunft einen sicheren naturnahen Standort in der Landschaft erhalten. 


„Ein Schulhof voller Baumkinder“, so präsentiert Katrin Busse die kleinen Schirmkiefern in ihrer Gärtnerei in Böddenstedt. Im vergangenen Spätherbst wurden von der geschützten Schirmkiefer im Raum Holxen zapfen gepflückt, deren samen in den vergangenen Monaten zu kleinen Bäumen herangewachsen sind. Nun kommen die Nadelbäume für einige Jahre in die Baumschule um sie irgendwann an einen guten Platz in die Landschaft zu pflanzen.
Im Schatten der Schirmkiefer wurden in früheren Zeiten viele Pausen abgehalten. Bei der schweren Feldarbeit schützten die knorrigen Bäume vor Regenschauern und spendeten Schatten an heißen Tagen. Nur wenige Bäume sind weit verteilt im Landkreis Uelzen übriggeblieben. Gute nährstoffreiche Böden und eine Feldberegnung gefährden die Bäume zwischen en Feldern und sind Gründe, weshalb die anspruchslosen Bäume durch u starkes Wachstum häufig auseinanderbrechen.
„Die letzten ihrer Art“ sollen deshalb nachgezogen werden, damit auch in Zukunft Schirmkiefern das Landschaftsbild bereichern.
Die Arbeitsgruppe “Das Dorf in der Landschaft“ hat das Ziel ein Schirmkiefernbiotop in der Region zu errichten, in dem Insekten, Feldvögel und Wildkräuter einen Lebensraum finden.

Text und Fotos: Thomas Dorschner
Layout: Bernhard Witte 

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