Dienstag, 8. September 2015

Fledermäuse im Wald


Fledermäuse erhalten sichere Quartiere entlang der Heidebäche

Mit jedem Baum der fällt, verändert sich die Welt der Fledermäuse. Die unter Schutz stehenden Insektenjäger sind auf eine Vielzahl an Höhlen und Verstecken in ihren Lebensräumen angewiesen. Durch die intensive Waldnutzung werden häufig Tagesquartiere durch Baumfällungen zerstört, so dass ein Mangel an Baumhöhlen die Situation für Fledermäuse verschlechtert.
Mit der Aktion „Abendsegler im Bachtal“ wurden an zwei Standorten im Suderburger Land Quartierstandorte für Fledermäuse geschaffen. Durch das Anbringen von speziellen Fledermauskästen an Bäumen, wurde das Höhlenangebot für die Insektenjäger langfristig verbessert.
Das Stahlbachtal im Raum Böddenstedt, sowie eine Teichanlage bei Suderburg wurde vom Naturwart Thomas Dorschner als geeignete Standorte ausgewählt. Das Projekt wurde von der BINGO-Umweltstiftung und dem NABU-Uelzen gefördert und konnte mit Helfern der Arbeitsgruppe „Das Dorf in der Landschaft“ realisiert werden.
Die verschiedenen Fledermausarten stellen unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum. Als Kulturfolger nutzt die Gruppe der Hausfledermäuse gerne Dachböden, Giebel- und Wandverkleidungen als Tagesversteck.
Eine typische Fledermausart ist die Breitflügelfledermaus, die bereits in der Dämmerung durch den Ort Böddenstedt fliegt. Zusammen mit der Zwergfledermaus gehört sie zu den häufigsten Arten im Siedlungsbereich.

Der Große Abendsegler vertritt die Gruppe der Waldfledermäuse und bevorzugt große Laubwaldgebiete. Als Tagesquartier nutzt er verlassene Spechthöhlen, die von vielen anderen Tieren ebenfalls beansprucht werden. An dem Waldweg zwischen Böddenstedt und Hamerstorf kann man die Abendsegler im Licht der untergehenden Sonne bei ihren Sturzflügen beobachten. Die insektenreiche Bachlandschaft mit ihren Grünlandflächen und Laubwäldern sind gute Jagdgebiete für Fledermäuse. Zusammen mit den angebrachten Fledermauskästen wird das Projekt „Erlebnisraum Stahlbachtal-Mitte“ weiter zur Fledermausregion entwickelt und soll langfristig auf das gesamte Stahlbachtal von Bahnsen nach Holxen ausgeweitet werden.
Im Herbst verlassen die meisten Fledermäuse ihre Sommerreviere und wandern große Strecken, um in frostfreien Höhlen zu überwintern. Dabei fliegen die Flattertiere häufig entlang von Fließgewässern und sind auf ausreichende Tagesverstecke angewiesen. Nach dem Winterschlaf finden die geschwächten Tiere auf ihren Wanderrouten nur wenige Versteckmöglichkeiten, da brütende Vögel, wie Stare und Meisen, die Baumhöhlen besetzt haben.
Auf dem Rückflug in die vertrauten Sommerreviere lauern viele Gefahren. Durch die Ausbreitung der Waschbären hat sich die Situation für Waldfledermäuse verschlechtert. Als geschickte „Kletterkünstler“ kann er mit seinen flinken Pfoten in schwer zugängliche Baumhöhlen hineingreifen und Fledermausquartiere ausrauben.
Der Aufbau eines Fledermauskasten-Reviers wird empfohlen, wenn pro Hektar Wald weniger als zehn Höhlenbäume vorhanden sind. Fledermauskästen sind für echte Baumhöhlen kein Ersatz, sondern ein zusätzliches Angebot, um ein Abwandern der Handflügler zu vermeiden. Die Schaffung von Quartierstandorten hilft Tieren, auch in Zukunft strukturreiche Kulturlandschaften zu besiedeln.
Als Ideallebensräume für Fledermäuse gelten lichte Eichen-Buchenwälder, sowie Auwälder mit höhlenreichen Altbäumen. Spechte bevorzugen für den Höhlenbau Eichen, Buchen, Erlen und Eschen, die gerne von Fledermäusen genutzt werden. Auch in Nadelwäldern finden die Insektenjäger ausreichend Nahrung, gerade in Zeiträumen, wenn sich sogenannte „Schadinsekten“ massenhaft ausbreiten. Breite Wege und Schneisen mit einer mageren Vegetation sind zusätzliche Insektenlebensräume, die von einigen Fledermausarten bevorzugt abgeflogen werden.

Jeder Baum – ob lebendig oder abgestorben, bietet zahlreichen Tieren und Pflanzen einen geeigneten Lebensraum. Daher wird ein konsequenter Schutz und Erhalt von Höhlenbäumen empfohlen. Werden Höhlen- und Spaltenbäume bei Standortbegehungen erkannt, sollten sie mit einem „H“ (Habitatbaum) markiert werden. Diese Praxis wird seit Jahren von Fachleuten durchgeführt und trägt dazu bei, dass Habitatbäume erhalten bleiben.
Über die Projekte „Fledermäuse im Dorf“ und „Abendsegler im Bachtal“ wurde viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Dadurch haben die „Kobolde der Nacht“ neue Freunde gefunden, so dass mit Rückhalt in der Bevölkerung weitere Aktionen erarbeitet werden können.
Text und Fotos: Thomas Dorschner  
Layout: Bernhard Witte

1 Kommentar:

  1. Ein gutes Projekt, das unser Dorf ein Stück lebens- und liebenswerter macht.

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