Sonntag, 4. Mai 2014

Dreizimmerwohnung mir Ausblick

Fledermäuse bekommen Tagesquartiere in Böddenstedt
Zwei Kammern mit Nischen, ein Spitzzimmer und jede Menge Aussicht - die neuen Fledermauskästen, die demnächst an geeigneten Plätzen in Böddenstedt aufgehängt werden sollen, enthalten jede Menge Komfort für die „Kobolde der Nacht“.
Gebaut wurden die Kästen von Walter Schenk in der betriebseigenen Werkstatt der Fa. Schenk, die Idee lieferte Naturschützer und NABU-Mitglied Thomas Dorschner. Nun fand sich ein Team zusammen, um die buntbemalten Kästen zu präsentieren und bei den Böddenstedtern um Hängeplätze zu werben.
Mit dabei sind neben den Initiatoren Walter Schenk und Thomas Dorschner Bernhard Witte und Monika Neumann sowie Ottfried Dreyer.
Wie bei der Inneneinrichtung ist auch mit der Bemalung der bunten Kästen nichts dem Zufall überlassen. „Die letzten Einhörner gibt es in der Region Böddenstedt“, sagt Thomas Dorschner und meint damit das Böddenstedter Ortswappen, das das Fabeltier mit magischen Kräften im Mittelpunkt hat. Einst führten die Ritter von Bodenstede ein rotes Einhorn im Schilde. Elfenbeinweiße Einhörner zieren nun auch die flachen Sommerquartiere für die Fledermäuse, die sich zusammen mit Glühwürmchen und Feuersalamandern die feuchten Wald- und Wiesensäume um den kleinen Heideort teilen. Auf der Jagd nach Insekten fliegen insbesondere im Stahlbachtal verschiedene Fledermausarten durch die vielfältige Kulturlandschaft. Gut geeignet für die Aufhängung der Kästen sind landwirtschaftliche Gebäude. Die Innenaufteilung ist besonders für die Aufzucht der Jungen von Vorteil, denn Fledermäuse mit Nachwuchs streiten sich gerne. „Oft herrscht richtiger ‚Zickenkrieg‘ in der Enge der Verstecke“, weiß Thomas Dorschner. Die Zeit der Jungenaufzucht verbringen die Weibchen in sogenannten Wochenstuben. Im Laufe des Sommers werden die Quartiere öfters gewechselt.
Fledermäuse stellen hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Parkähnliche Landschaften mit Wiesen, Wäldern und Gewässern sind bevorzugte Jagdgebiete für die meisten Fledermausarten. Artenreiches Grünland auf trockenen Standorten ist selten geworden. Mit Verlust der blütenreichen Wiesen verschwinden auch die Insekten und somit die Nahrungsgrundlage der Fledermäuse. Der Einsatz von Pestiziden verringert zusätzlich das Nahrungsspektrum der Fledermäuse und führt in kühlen feuchten Sommern zum Rückgang der Bestände. Giftstoffe werden zudem über die Muttermilch an die Jungen weitergegeben. In manchen Jahren ist der Verlust der Wochenstuben sehr hoch. Das Projekt „Fledermäuse im Dorf“ mit dem Symbol des Einhorns soll auf die Situation in der Natur aufmerksam machen und neue Lebensräume schaffen. „Das Einhorn an der Scheunenwand soll Menschen begeistern und zum Botschafter werden für eine vielfältig gestaltete Natur mit Zukunft“, so Thomas Dorschner.

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